Mut

Wisst ihr, was ich unglaublich mutig finde? Mal abgesehen von Bungeejumping, Paragleiten, Kugelfisch essen und was es da so alles gibt aka „was ich mich NIE trauen würde“…

 

Also ABGESEHEN von dem Offensichtlichen, finde ich es wirklich mutig, sich alleine vor eine Kamera zu stellen. Natürlich macht es auch Spaß fotografiert zu werden und ich persönlich, kenne einige Menschen, die sogar unsagbar scharf darauf sind (der Wortwitz war nicht beabsichtigt), sich ablichten zu lassen. Der Großteil meiner Kundinnen und Kunden jedoch… begrüßt mich fast schon mit den Worten „eigentlich werd‘ ich total ungern fotografiert“. Plus: die MEINEN das in der Regel auch so!

 

Und ich kann es so wahnsinnig gut verstehen. Eine Kamera ist ja irgendwo was ganz Gemeines. Sie hält eine – sagen wir mal – 1500stel Sekunde (SEKUNDE!!!) einer Bewegung fest und ich für meinen Teil sehe in dieser 1500stel Sekunde meistens einfach nur völlig bescheuert aus. Entweder ich lächle verkrampft, weil ich weiß, dass ich fotografiert werde oder ich rede in dem Moment und mein Gesicht ist dabei zu einer absurden Grimasse verzogen – im „worst case“ blinzle ich gerade auch, hab‘ genau EIN Auge dabei zu und sehe - alles in allem - aus, wie eine Figur aus dem Lachkabinett.

 

Also… falls ich‘s nicht schon gesagt hab, ich finde es WIRKLICH mutig, sich alleine hinzustellen und der Kamera preis zugeben. Und nicht nur der Kamera sondern auch der Person dahinter – im konkreten Fall: MIR.

 

Und im noch konkreteren Fall hat sich Andrea vor meine Kamera gewagt.

Anfangs hatte ich den Eindruck, dass sie ein bisschen nervös war. Auf meine Frage, wie oft sie sich schon fotografieren hat lassen, hebt sie einen Finger und grinst verlegen.

 

Bei meinen diversen „Anweisungen“, was sie denn nun machen soll, spricht ihr Blick Bände.

„Waaas zum Teufel will sie von mir?“, scheint sie sich zu fragen.

 

Ich lasse Andrea auf mich zumarschieren, mit ihren Haaren spielen, Leute beobachten, mir erzählen, was sie gerade sieht und sie findet’s anfangs merklich seltsam.

 

Warum ich das mache, erkläre ich ihr. Ich gebe meinen Einzel-Modellen immer eine Beschäftigung: sei es, dass ich fortwährend irgendeinen Blödsinn von mir gebe (über den ich zum Teil selbst so lachen muss, dass ich nicht mehr fotografieren kann); sei es, dass ich sie etwas beobachten oder an ihren Haaren, Ketten, Armbändern, Pullovern, etc. pp. herumfummeln lasse. Beschäftigung bei Einzelportraits ist, meiner Meinung nach, das A und O. Ist man zu zweit oder „zu mehreren“ auf dem Foto, kann man miteinander interagieren und das „Wissen um das fotografiert-werden“ ist nicht so präsent.

Stehe ich jedoch allein auf weiter Flur, vor mir ein Mensch, den ich, dank des schwarzen Kastens in seinem/ihrem Gesicht, nicht sehen kann, erzeugt das – da spreche ich aus Erfahrung  – nicht unbedingt ein wohliges Gefühl. „Kein wohliges Gefühl“ bedeutet zeitgleich – im besten Fall (!) – gekünstelte und verkrampfte  Fotos.

 

Andrea taut immer mehr auf. Wir kichern nur noch vor uns hin. Zwischenzeitlich weinen wir auch – das liegt allerdings am kalten Wind. Wir spazieren durch die Gegend, unterhalten uns über Gott und die Welt, warten zusammen auf das perfekte Licht, suchen mein Handy, das mir aus der Hosentasche gefallen ist und machen dabei wunderwunderschöne Fotos… so soll es sein! 

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Hochzeitsfotografie aus Wien. Echte Emotionen, liebevolle und einzigartige Momente, natürliche Farben - eure Erinnerungen. Pia Morpurgo | Photography 

© Pia Morpurgo

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