Schwarz & Weiß

Als Kind war ich jahrelang der fixen Überzeugung, ich sei adoptiert worden.

Als Einzige in der Familie war ich weißblond (ich habe mich erst vor 2 Jahren farblich an meine Mama angepasst – also nein, die roten Haare sind leider NICHT echt), dunkelblauäugig (das bin ich noch immer), sommersprossig  und alles in allem ganz sicher vom Briefträger.

 

Und dann gab’s da meine Schwester. Dunkelhaarig, oliviger Teint, rehbraune Augen und so gänzlich anders als ich.

Die Schüchterne von uns beiden. Die Schwarzhumorigere. Die Ernstere. Die Kritischere. Die Organisiertere.

 

Was hab‘ ich sie verehrt. Sogar mein 1. Wort – so wurde mir erzählt – war „Nina“.

Und dann war ALLES „Nina“ – besonders alles Schöne.   

 

Wie das bei Geschwistern so ist, war Nina nicht sonderlich begeistert von meiner Vergötterung.

Anfangs war’s ja vielleicht noch ganz nett aber dann immer, überall und zu jeder Zeit die 5 ½ Jahre jüngere Schwester (mich) „an der Backe“ zu haben fand sie irgendwie nicht so toll (versteh‘ ich gar nicht!).

 

Und wie das bei Geschwistern eben auch so ist, kam irgendwann die große Hass-Phase.

Am liebsten wären wir beide ausgewandert - jede in ein anderes Land. Möglichst weit weg voneinander. Schwarz und Weiß. Praktischer Weise waren wir beide erst 12 und 17 somit stand Auswandern bei unseren Eltern irgendwie nicht zur Debatte (versteh‘ ich auch nicht!).

 

Und heute… ja, heute würden wir beide vielleicht auch manchmal gern auswandern. GEMEINSAM.

 

Ich kann und will mir mein Leben ohne meine Schwester darin nicht vorstellen.

Nur der Gedanke daran, ich könnte sie irgendwann länger als 2 Wochen nicht sehen oder hören, macht mich völlig fertig.

 

Kaum ein Mensch treibt mich so sehr in den Wahnsinn wie sie.

Kaum ein Mensch kritisiert so viel an meinen Bildern herum und zwingt mich laufend mich zu verbessern und an mir zu arbeiten.

Kaum ein Mensch  versucht mich auf so viele verschiedene Arten zu fordern UND fördern.

Mein erstes „richtiges Portrait-Shooting“ – ja klar, Nina als Model.  

Meine Fanpage auf Facebook – von Nina dazu gezwungen.

Meine erste Hochzeit – von Nina vermittelt.

Ich weiß nicht, ob ich mich je als Fotografin selbstständig gemacht hätte, wenn es keine „Nina“ gäbe…

Ich bin mir sicher, nicht der Mensch geworden zu sein, der ich heute bin – ohne „meiner Nina“.

 

2014 schenkt sie mir meine - von mir vergötterte - Nichte.

Eine in-der-Waschmaschine-eingelaufene Version ihrer selbst.

Meinen Augenstern, den ich so unaussprechlich liebe, dass es mir beinahe Angst macht.

2016 folgt mein Neffe.

Mein Herz wird immer größer... und aus Schwarz und Weiß ist Grau geworden.

 

Ein wunderschönes Grau in hunderten verschiedenen Abstufungen, die sich ergänzen, ineinander übergehen, sich miteinander verbinden, ohne einander nicht existieren können…    

 

Und ich verehre sie. Meine Nina.

 

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Hochzeitsfotografie aus Wien. Echte Emotionen, liebevolle und einzigartige Momente, natürliche Farben - eure Erinnerungen. Pia Morpurgo | Photography 

© Pia Morpurgo

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