Urlaubsimpressionen

„Du weißt schon, dass du keinen Styling-Wettbewerb gewinnen musst, oder?“, murmelt meine Schwester, als ich mich aufgerüscht bis über die Ohren (ja wirklich, eine meiner liebsten Freundinnen hat mir – unwissentlich – die farblich passenste Haube überhaupt gestrickt) zum Skifahren verabschiede.

 

„Wenn schon, versage ich mit Stil.“, denke ich mir und fahre mit dem Göttergatten zum Skischuh-Ausleihen.

 

Selbiges scheint sich auch der nette Herr vor Ort zu überlegen und packt meine Füße in schwarze Skischuhe mit leuchtenden lila Schnallen. So schnittig diese auch sind (die Schuhe, nicht die Füße) – irgendwie tun sie weh.

Ich frage den Göttergatten, ob das normal ist – bin ich doch das letzte Mal vor über 5 Jahren auf Skiern gestanden, war davon nicht unbedingt begeistert und kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, wie sich Skischuhe anzufühlen haben.

 

„Na, eng sitzen sollen sie schon…“, sagt er woraufhin ich meinen Beinen attestiere, dass sie übertreiben und sich gefälligst an das „eng-sitzen“ zu gewöhnen haben.

 

Wir besteigen die Gondel und in mir kribbelt es vor Begeisterung, Vorfreude und auch Angst.

5 Jahre… damals war ich gar nicht so schlecht. Keine Rede davon, dass ich GUT gewesen wäre… meiner Erkenntnis nach, bin ich sowieso so ziemlich der unsportlichste Mensch, den ich selbst kenne… aber…. öh… ja… hm… also weiter…

 

Nach zweimaliger Gondelfahrt wechseln wir - zwecks Bergspitzen-Erreichung –  auf den Sessellift.

Was bin ich froh, dass dort jetzt ein solcher ist.

Schlepplifte sind in meinen Augen nämlich ein Graus… ich bin mir nie sicher ob der Bügel zu schmal oder mein Hintern zu breit ist oder ob die beiden einfach nicht miteinander kompatibel sind, aber was mein Hintern und ich schon auf Schleppliften gezittert haben… brrrr….

 

Auf der Bergspitze angekommen wage ich (nach dem obligatorischen Beweisfoto) den ersten Schwung und… bekomme – kein Witz – eine ausgewachsene Panikattacke.

Wer schon jemals eine solche hatte, kann sicher nachfühlen, dass „rationales Denken“ in einer solchen Situation restlos flöten geht.

So auch bei mir… ich bin schlicht und ergreifend der fixen Meinung NIEMALS WIEDER von diesem Hang herunter und aus den verdammten  Skischuhen heraus zu kommen.

Irgendwie (fragt mich nicht WIE) schaffe ich es dann aber doch … heulend, jammernd, zitternd … und weigere mich vehement – zum Leidwesen des Göttergattens - nochmals die Skier anzuschnallen.

 

Ich schicke den Ehemann zurück auf die Piste und will gerade in Selbstmitleid versinken da regt sich ein neues Gefühl in mir.

Eines, das mir in solchen Situationen bisher noch nicht untergekommen ist.

Stolz…

Stolz, dass ich’s von der Bergspitze hinunter geschafft habe (und nein, ich weiß noch immer nicht WIE).

Stolz, dass ich mich überhaupt getraut habe, mich auf Skier zu stellen.

Man muss ja nicht alles können, nicht wahr?

Man muss nicht immerzu perfekt sein.

Man kann ja auch gewisse Dinge nicht gut-können.

Man darf ja auch gewisse Dinge nicht mögen.

Das Herzrasen verschwindet immer mehr und ich lasse mich – auf der Hütte sitzend – von der Sonne anstrahlen.

Genieße die gute Luft, mache Fotos (das kann ich, behaupte ich jetzt mal), beobachte die Menschen, freue mich auf den versprochenen Rodelausflug (Rodeln liebe ich nämlich heiß!) und sehe noch immer unsagbar stylish dabei aus.

 

Ebenso stylish (nur mit angenehmerem Schuhwerk) wandere ich tags darauf im Tal herum und freunde mich mit drei entzückenden, hochschwangeren Haflingerdamen an.

 

In Ermangelung anderer Fotomodelle (mein Facebook-Aufruf kam anscheinend zu spät, nachdem sich die meisten BewerberInnen erst Sonntags gemeldet haben… wieder was gelernt) werden diese natürlich ausgiebigst fotografiert.

Und sie geben wirklich ihr Bestes – werfen sich, so anmutig es mit Kugelbauch möglich ist, in den Schnee (frei nach dem Motto „Draw me like one of your french girls“), schütteln ihr Haar, posen, fressen mich und meine Kamera beinahe auf und sind alles in allem ganz herzallerliebst.

 

Natürlich führe ich auch etliche tiefsinnige Gespräche mit ihnen; vom Wortlaut her in etwa: „Jadutzidutzibistduabereinsüßespferdilein… soooeinliebespferdilein…“  

 

Fragt mich nicht wieso, aber je größer das Tier umso mehr verfalle ich in den banalsten Babysprachen-Modus (mit Babies rede ich im Übrigen NICHT so), den man sich nur vorstellen kann… Bei Elefanten würde ich vermutlich überhaupt nur noch brabbeln.

Insgeheim hoffe ich ja, dass mich die armen Viecher nicht verstehen – andernfalls müssten sie mich nämlich für schwer beschränkt halten.

 

Das Ski-Debakel ist restlos vergessen.

Man muss ja nicht alles können.

 

Fotografin sein und Pferdeflüsterin… das muss reichen.  

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© Pia Morpurgo

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