Authentizität

Vor kurzem habe ich einen Workshop zum Thema Portraitfotografie gegeben. 

Einer der wichtigsten Punkte bei Paarportraits - und ich habe selbigen immer und immer wieder wiederholt - ist, meiner persönlichen Meinung nach, die Personen vor der Kamera miteinander interagieren zu lassen um eine authentische Stimmung festhalten zu können. 

 

"Stellt euch mal da hin und tut irgendwas" ist jetzt ja nicht unbedingt eine Aufgabenstellung, mit der irgendjemand etwas anfangen kann (ich sprech' da aus Erfahrung!). 

Also lasse ich "meine Paare" in der Regel miteinander kuscheln, küssen,  flüstern, sich ansehen, sich etwas Liebes sagen und analysiere vor mich hin, was für Persönlichkeiten ich denn hier eigentlich ablichte.  

 

So viel Authentizität (ich schwöre es euch, jedes Mal wenn ich diese Wort AUSSPRECHEN will, verhasple ich mich… praktischer Weise muss ich es hier nur schreiben) wie nur möglich; eine Persönlichkeit, eine Beziehung, eine Situation und die dazugehörige Emotion so festzuhalten wie sie ist – das ist mein persönlicher Anspruch.

An mich selbst und an meine Fotografien.

 

Ein Paar, das eher „sachlich“ miteinander umgeht zum rumknutschen zu „zwingen“; ein Paar, das die Finger nicht voneinander lassen kann, distanziert zu fotografieren… mit anderen Worten: eine Stimmung zu erzeugen die ansonsten einfach nicht vorherrschen würde – das ist einfach so gar nicht meins.

 

 „Tut so, als wäre ich gar nicht da.“  - der Satz an sich ist zwar im Grunde auch nicht „meins“ (schließlich BIN ich ja DA und selbst wenn ich im Tarn-Outfit unterwegs wäre, würde ich mich durch mein Kameraklicken sehr schnell bemerkbar machen) aber meine Shootings sollen durchaus dem entsprechen.

Also sage ich ihn hin und wieder... manchmal auch völlig unnötigerweise... 

 

Claudia und Oliver reisen extra aus Oberösterreich an, um ein Shooting mit mir zu machen, was mich natürlich gleich unglaublich ehrt.

 

Ich verabrede mich mit ihnen bei einer meiner Lieblingslocations in der Nähe von Wien.

Großer Nachteil dieser Location: keine Parkplätze in unmittelbarer Umgebung und bergauf wandern muss man auch noch.

All jene, die um meine sportliche Kondition wissen (Stichwort: inexistent), dürfen jetzt gerne ein bisschen Mitleid mit mir haben.   

 

„Tut so, als wär‘ ich gar...“, sage ich, während ich Einstellungen an der Kamera vornehme und einen Moment lang nicht zu den beiden hinschaue.

Ich beende den Satz mit einem „Klick“, da Claudia und Oliver bereits knutschend vor mir stehen.

Da ist man eine Millisekunde abgelenkt und dann sowas…

 

Die beiden bringen das Kitschbaromether – das Wort hab‘ ich übrigens von ihnen gelernt –regelrecht zum Explodieren.

 

Von küssen, kuscheln über herumblödeln und Lachen ist einfach alles dabei.

Ich gebe nahezu keine Anweisungen und lasse die beiden einfach machen.

Und sie machen sich großartig!

 

Keine Sekunde wirkt aufgesetzt, kein Moment als wären sie nicht restlos verliebt ineinander.

 

Die Sonne geht langsam unter und hüllt die beiden zu allem Überfluss auch noch in wunderbar verträumtes Licht.

 

Fast kommt es mir vor, als wären sie tatsächlich alleine… wären da nicht meine Fotos als Beweis.  

 

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Hochzeitsfotografie aus Wien. Echte Emotionen, liebevolle und einzigartige Momente, natürliche Farben - eure Erinnerungen. Pia Morpurgo | Photography 

© Pia Morpurgo

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